Mittwoch, 29. April 2015

Der Reiz alter Kochbücher

Mein aktuelles Kochprojekt rund um die Rezeptsammlung historischer Rezepte von Erna Horn hat mein Interesse an historischen Kochbüchern geweckt und ich habe mich etwas in die Materie eingelesen. An meinen neuen Erkenntnissen hierzu möchte ich euch heute teilhaben lassen und euch einen kleinen historischen Abriss präsentieren. (^.^) Sofern verfügbar, habe ich euch auch Onlineausgaben der genannten Kochbücher verlinkt, so dass ihr selbst mal reinschnuppern könnt. (^.^)

Das älteste, heute bekannte Kochbuch stammt aus Indien (das Vasavarajeyam) und ist gut 3.500 Jahre alt. Die Landesküche mit den ältesten Gerichten scheint die Chinesische zu sein, so werden noch heute Gerichte aus dem Li-Chi, dem ältesten bekannten chinesischen Kochbuch, welches um 500 v. Chr. entstand, regelmäßig zubereitet. Dennoch wird mein weiterer Blick auf die Geschichte des Kochbuchs sehr viel mehr eurozentristisch sein, schlicht, weil meine bevorzugten Landesküchen auch seeeehr eurozentristisch sind. (^.^) Wir wenden also unseren Blick nach Europa: hier entstand um das Jahr 0 "De re coqiunaria" des Apicius, welches bis in das Mittelalter hinein als Standardwerk genutzt wurde. Wobei "Standardwerk" schon ziemlich hoch gegriffen ist... Es gab auch kaum etwas anderes. Pergament war viel zu kostbar, um etwas derart Profanes, wie die Zubereitung von Speisen darauf festzuhalten. Zudem, wer sollte es denn schon lesen bei einem derart verschwindend geringen Alphabetisierungsgrad?

Einige wenige Rezeptsammlungen wurden zwar auch im Mittelalter erstellt, allerdings wurden hier - je nach Entstehungsort - Fastenspeisen (Klöster) oder aber sehr exklusive Gerichte (Adelshöfe) festgehalten. Das älteste mittelalterliche Kochbuch aus dem europäischen Raum ist das um 1300 vermutlich in Italien entstandene Liber de Coquina. Die ältesten Rezepte aus dem deutschen Sprachraum sind nicht in Kochbüchern erschienen, sondern in medizinischen Veröffentlichungen, so beispielsweise das "bouch von guoter spîse", das in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand. Genau dieser Sachverhalt erklärt aber auch die heute sehr seltsam anmutenden Speisen des Mittelalters: alle Speisen hatten - der Vier-Säfte-Lehre des Galen folgend - bestimmte Wirkungen und mussten dementsprechend auf eine bestimmte Art und weise zubereitet, gewürzt und temperiert sein, um diese Wirkung auch zu entfalten. Dementsprechend wurden in der mittelalterlichen Küche die Ursprungszutaten stark verfremdet, indem sie überwürzt und zerkocht wurden.
Mit dem langsamen Herausbilden eines Patriziats, das nicht mehr dem Adel nacheiferte, sondern ein eigenes Selbstbewusstsein entwickelte, wurden die Gerichte ab dem Spätmittelalter, spätestens jedoch ab der Renaissance, schlichter, einfach, weil sie nicht mehr komplett überwürzt wurden, sondern vielmehr der Eigengeschmack der verwendeten Zutaten mehr herausgearbeitet wurde. Es wurde also zunehmend mehr so gekocht, wie wir es heute auch kennen. Möglicherweise fällt uns deshalb der Zugang zu diesen Gerichten auch leichter, als der zur mittelalterlichen Küche. Außerdem beförderte der Buchdruck auch den Kochbuchmarkt: die Zahl der Veröffentlichungen stieg deutlich an. Die wichtigsten Werke der Zeit waren:
  • Le Viandier (1375) eines der ersten bürgerlichen Kochbücher
  • Du fait de cuisine (1420) von Chiquart Amiczo, Hofkoch am herzöglichen Hof von Savoyen
  • Maister Hansen, des von Wirtenberg Koch (1460) eine Rezeptsammlung, vermutlich Abschriften von älteren Rezepten, die sich in einer Basler Handschrift finden lassen
  • Liber de arte coquinaria (um 1460) des Martino de Rossi, dem ersten Starkoch
  • De Honesta Voluptate (1474) von Bartolomeo Sacchi, der etwa die Hälfte aus dem Liber de arte coquinaria übernommen hatte und sein Kochbuch zum ersten Kochbuchbestseller machte
  • Kuchen maysterey (1485) von Peter Wagner, das erste gedruckte deutsche Kochbuch, das ebenfalls zu einem Klassiker avancierte und bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts noch in Nachdrucken erschien.
  • Koch- und Kellermeisterei (1581) des Meisters Sebastian
  • Das Kochbuch der Philippine Welser (1545) das aber dem aktuellen Forschungsstand zufolge nicht von ihr stammt, sondern lediglich ihr gehörte und von ihr mit Notizen versehen wurde
  • New Kochbuch für die Krancken (1545) des Walther Hermann Ryff
  • L'Opera (1570) von Bartolomeo Scappi ein sechsbändiges Kochbuch, das als erstes Küchenlehrbuch gilt
  • Ein new Kochbuch (1581) von Marxen Rumpolt, einem deutschsprachigen Starkoch seiner Zeit, der als Hofkoch am erzbischöflichen Hof in Mainz arbeitete.
Im 17. Jahrhundert setzte sich die Bewegung weg vom Zerkochen und Überwürzen hin zu einer größeren Naturbelassenheit, sowohl im Hinblick auf Konsistenz als auch auch auf Geschmack weiter fort. Außerdem gewann die französische Küche zunehmend an Einfluss. Die bedeutendsten Werke der Zeit waren:

  • Ein new Kochbuch (1598) der Anna Weckerin, das erste gedruckte deutschsprachige Kochbuch, das von einer Frau verfasst wurde und das in späteren Auflagen um einen Anhang zur französischen Küche ergänzt wurde
  • Das Diaeteticon (1682) des Mediziniers und Botanikers Johann Sigismund Elsholtz das aufgrund seiner Weitschweifigkeit vor allem von kulturhistorischem Wert ist.
  • Das Nürnberger Kochbuch (1691) das sich mehr an die mittelständische Hausfrau und weniger an Berufsköche wendet und rund 1.500 Rezepte umfasst.

Im 18. Jahrhundert geht die Entwicklung vor allem in der Darstellung weiter, hin zu dem wie wir es heute kennen: Es finden sich immer mehr Rezepte mit Zutatenlisten und unter Angabe von genauen Mengen. Zudem werden die Kochbücher tatsächliche Kochbücher mit deutlich weniger Abschweifungen. Bedeutend waren:

  • Das Salzburgische Kochbuch (1719) vom Hofkoch Conrad Hagger, das zu den umfangreichsten aber auch bedeutendsten Fachkochbüchern seiner Zeit zählte.
  • Das allerneueste Pariser Kochbuch (1752) des Amandus König, als ein Meilenstein zu geänderten Kochbuchinhalten: auf die Beschreibung der medizinischen Wirkung der präsentierten Speisen wurde vollständig verzichtet, dafür finden sich nach wie vor noch Rezepte für Dinge, die wir heute kaum mehr in einem Kochbuch vermuten würden, nämlich für Kosmetika.
Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der bürgerlichen Küche und viele Gerichte, die wir heute als "gutbürgerlich" bezeichnen, wurden in dieser Zeit kreiert und niedergeschrieben. Wichtige Werke waren:
  • Neues Kochbuch (1791) der Friederike Luise Löffler das in 38. Auflagen bis in das 20. Jahrhundert hinein erschien und vor allem die süddeutsche Küche prägte.
  • Das Allgemeine deutsche Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen (1815) der Sophie Wilhelmine Scheibler
  • Anweisung in der feinen Kochkunst (1858) des Haushofmeisters am bayerischen Königshof Johann Rottenhöfer, ein Standardwerk der gehobenen Küche.
  • Das Illustrirte Kochbuch (1881) der Friederike Ritter, ebenfalls sehr auflagenstark, das den Trend hin zur ausführlichen Bebilderung aufzeigt.
  • Das Praktische Kochbuch (1844) der Henriette Davidis ist aber sehr eindeutig das bedeutendste und einflussreichste Kochbuch des 19. Jahrhunderts, das bis heute in diversen Bearbeitungen herausgegeben wird und in dem das heute rezeptübliche "Man nehme..." prägte.
Unsere heuten Kochbücher - abgesehen von Rezeptquellen aus dem Internet, aber auch aus Zeitschriften und Zeitungen - kennzeichnen sich vor allem durch ihren "Special Interrest"-Charakter, seien es bestimmte Landesküchen oder aber bestimmte Ernährungsweisen. Richtige Bestseller-Standardwerke (abgesehen von Fachbüchern für Köche)  gibt es kaum noch. Selbst meine geliebte Erna Horn hat sehr dezidiert zu bestimmten Themengebieten veröffentlicht. Zwei Klassiker möchte ich dennoch nennen, die den Namen Grundlagenkochbuch wirklich verdienen, und die ich frei heraus zum Erwerb empfehlen kann:

Montag, 27. April 2015

Der Vintage Flaneur - Ausgabe X




Heute erscheint die 10. Ausgabe des Vintage Flaneur. Dieses mal erwarten euch die schönsten Schuhe der Saison, ein Reisebericht zu New York, ein Interview mit Katie & The Swing Aces sowie ein großes Special zu Fahrrädern-

Ihr wollt die neueste Ausgabe des Vintage Flaneur? Dann nichts wie hin zu den Flughafen- und Bahnhofsbuchhandlungen oder auf die Bestellseite des Vintage Flaneur geklickt. (^.^)

Samstag, 25. April 2015

The Pageboy - mit Rag Curls gelegt

Ich habe nun ja schon vor einiger Zeit versprochen nach und nach meine Pageboy-Anleitungen zusammenzustellen. Heute möchte ich euch als eine Originalanleitung aus den 50ern zeigen: der Pageboy mit Rag Curls.

Gebt gleichmäßig Haarfestiger auf eure handtuchtrockenen Haare und legt eure Haare nach dem folgenden Legeschema ein:

Ihr legt eure Haare an den Seiten sowie euer Deckhaar in Pin Curls die ihr jeweils zum Gesicht hin wickelt. Die Seitenpartie liegt dabei jeweils in einem Pin Curl. Die Oberkopfpartie kann man natürlich variabel gestalten, allerdings wirkt der Pageboy nur, wenn er schlicht gehalten wird, Eine aufwendige Oberkopfpartie passt da nicht unbedingt dazu. In der obigen Anleitung seht ihr daher das Dazulegen der Oberkopfpartie zum Pageboy. Weitere Möglichkeiten, sind nicht zu hoch gekämmte Top Rolls, aber auch Bangs für den 40er-Jahre-Look. In den 50ern wurde der Oberkopf durchgängig dazugelegt, ggf. noch aufgelockert um Wellen am Ansatz. Die Hinterkopfpartie wird mit insgesamt 8 Rag-Curls in zwei Reihen gewickelt. Als Rag Curler nutze ich handelsübliche Papilloten.

Nach dem lösen von Pin Curls und Wicklern kämmt ihr sie von unten aus, so lange bis sich die Enden einheitlich nach innen einlegen. Gebt ggf. noch etwas Pomade über die Frisur um einzelne fliegende Haare zu bändigen und fixiert das ganze mit Haarspray (insbesondere die eingerollten Haarspitzen). Fertig ist euer Pageboy. (^.^)

Selbstverständlich könnt ihr auch noch Haaraccessoires zum Pageboy kombinieren, aber auch diese sollten ehr schlicht sein, sonst wirkt es schnell seltsam. Greift zu schlichten Haarreifen oder aber Kämmen um die Seiten zu fixieren, Auch schlichte dekorative Bobby Pins passen gut.

Last but not least: so sieht der fertig gelegte Pageboy mit Rag Curls aus, etwas welliger als die 40er Jahre Variante - ich kombiniere ihn hier mit einer einzelnen Haarspange um eine Seite hinten zu halten:

Freitag, 24. April 2015

Bayrische Kuchl - Suppn: Panadlsuppe

Zunächst gibt es wieder eine kleine Vokabelstunde bairisch-deutsch für euch, damit ihr versteht, wovon ich gleich schreibe: "Panadl" meint "Brot" und entspringt vermutlich dem lateinischen "panis".


Eine Panadlsuppe ist dabei nichts anderes als eine legierte Brühe, die über eine leicht angeröstete Scheibe Weißbrot gegossen wird. Nachdem sich das dann ziemlich blöd isst, habe ich in weiser Voraussicht das Weißbrot geröstet und dann gewürfelt, bevor ich es in die legierte Brühe gegeben habe. Um es kurz zu machen: bääääh igitt! Ich mag legierte Soßen durchaus aber Suppe?! Und dann auch noch mit schnell schleimig werdenden Weißbrot? Iiiih, ne danke, nicht nochmal.

Donnerstag, 23. April 2015

Das Hoover & Floyd in der Isarvorstadt

Heute möchte ich euch ein wunderschöne Café-Bar mit Vintagecharme in der Maxvorstadt vorstellen: das Hoover & Floyd. Die Einrichtung ist überwiegend im Stil der 20er und 30er Jahre gehalten, und wird durch etliche Originale noch aufgewertet. Sehr empfehlen kann ich das wunderbare Frühstück, zubereitet aus absolut hochwertigen Zutaten und serviert auf Omas Porzellan - einen besonderer Tipp von meinem Mann möchte ich euch auch noch weitergeben: das Rührei mit Ziegenkäse. (^.^)

Dienstag, 21. April 2015

Frühlingsdeko lässt ihr rosa Band oder so...

Der Winter ist vorbei und Ostern ist überstanden, trotzdem oder gerade erst recht darf man die Frühlingsgefühle auch per Deko in die Wohnung bringen. Auch diesmal wieder dabei: Omas Kristallplatte sowie ihr schmiedeeiserner Kerzenständer. Auch mein selbstgenähtes Schleifenkissen und mein Häkelkissenbezug passen super dazu. (^.^) Kerzen, Kleindeko und die beiden anderen Kissenbezüge sind aus dem schwedischen Möbelhaus; das Kirschblütenbild auf dem rechten Foto im Hintergrund ist selbst gemacht, dazu kommt noch ein separater Beitrag (^.^).

Freitag, 17. April 2015

Bayrische Kuchl - Suppn: Leberschöberlsuppe

Noch einmal gibt es Leber bei Lili's, dieses Mal Leberschöberl. Und einmal mehr - ich nehme es gleich vorweg - war die Suppe geschmacklich absolut in Ordnung, nachdem wir beide aber nicht so auf Leber stehen, gibt es diese Suppe bei uns nicht nochmal. Da es unter meinen lieben Lesern aber sicherlich den ein oder anderen Leberfreund gibt, bekommt ihr trotzdem das (von mir etwas angepasste - aber versprochen - gelingsichere) Rezept, ich will ja nun nicht so sein. (^.^) Bei meinen Anpassungen am Rezept habe ich die Semmel- und Eimenge reduziert, die Menge reicht so auch locker für 4 Personen. Außerdem habe ich Speck und Zwiebeln weggelassen, die Schöberl sind so bereits Fett- und Geschmacksintensiv genug, das brauchts nicht auch noch.


2 Semmeln vom Vortag würfeln, in 100ml lauwarmer Milch einweichen und etwa 30 Minuten durchziehen lassen. Zu den durchgeweichten Semmeln gibt man nun 50g Butter, 2 Eigelb, 125g Leber (Rind oder Kalb), Petersilie, Salz, Pfeffer und Majoran und verrührt das zu einem stückigen, aber dennoch sämigen Teig. (die faule moderne Köchin greift zum Pürierstab). Die zwei Eiweiß steif schlagen, locker unter die Masse heben, den Teig etwa 0,5 cm dick auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und bei 160°C Ober-/Unterhitze backen.

Den Leberteig in Rauten schneiden und auf Suppentassen verteilen. 500ml Fleischbrühe erhitzen, über die Leberschöberl gießen, mit Petersilie betreuen und sofort servieren.

Mittwoch, 15. April 2015

Stricken für Anfänger - Materialkunde: Strickgarne

Wie bereits angedroht: bevor es an die Praxis geht, braucht es erstmal noch etwas Theorie und zwar zu den Materialien, die es zum Stricken braucht.

Strickgarne
Strickgarne sind aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt, die alle in Bezug auf Verarbeitung, Verwendungs-, Trage- und Pflegeeigenschaften ihre Vor- und Nachteile haben. Ich persönlich bevorzuge Garne die mindestens zu 50% aus natürlichen Materialien bestehen, schlicht, weil man Plastik einfach auch ansieht, dass es nur Plastik ist. Wenn ich mir also schon die Mühe mache, etwas Individuelles und Schönes zu handarbeiten, dann auch aus hochwertigen Materialien und eben nicht aus billigstem Polyester. Ich greife daher zu Baumwolle und Wolle, wobei Beimischungen in geringen Anteilen erlaubt sind. Eine nähere Auskunft über die Garnzusammensetzung liefert die Garnbanderole. Die Garnbanderole liefert darüber hinaus aber noch andere wichtige Informationen:

Was mit Material gemeint ist dürfte klar sein. (^.^)

Wurde eure Wolle noch veredelt, wird die jeweilige Veredelungsmethode mit der Materialangabe genannt. "Gasiert" bedeutet, dass der Faden abgeflammt wurde, sprich keine Härchen abstehen, "mercerisiert" meint eine Behandlung von Baumwolle mit Natronlauge, das lässt sie seidig matt glänzen, die Farben sind farbstabiler und die sie ist strapazierfähiger und formstabiler als nicht mercerisierte Baumwolle. Habt ihr die Wahl, greift immer zu mercerisierter Baumwolle, da diese qualitativ besonders hochwertig ist.

Die Empfehlung zur Nadelstärke ist immer eine von-bis-Angabe. Strickt ihr besonders fest, nehmt ihr die größere Nadelstärke, strickt ihr besonder locker, nehmt ihr die kleinere Nadelstärke. Haben eure Maschen normale Festigkeit, greift ihr am besten zur goldenen Mitte (die Nadelstärken steigen jeweils um 0,5).

Der Durchschnittsverbrauch gibt an, wie viel Wolle in Gramm ihr wofür ungefähr brauchen werdet. Also hier für ein ärmelloses schlichtes Damentop Größe 38 ungefähr 310 g.

Die Maschenprobe gibt an, wieiviele Maschen in der Breite und wieviele Reihen in der Höhe ein Quadrat vom Format 10x10 cm ergibt. Diese Angabe ist besonders wichtig, wenn ihr Muster anpasst oder Freihand arbeitet. Die Maschenprobe ist ein Fortgeschrittenenthema. Ich will euch nicht gleich schon am Anfang  unnötig verwirren. (^.^) Es reicht für den Moment, wenn ihr wisst, was das Symbol bedeutet.

Die Pflegehinweise dürften wieder klar sein.

Gesamtlänge und Gewicht dürften grundsätzlich auch klar sein. Mit diesen Größen muss man als Fortgeschrittener eventuell wieder rechnen, wenn man Muster nacharbeiten möchte, bei denen die verwendete Wolle nicht mehr erhältlich ist, bzw. wenn ihr lieber mit einem anderen Garn arbeiten möchtet. Für den Moment brauchen wir die beiden Größen aber noch nicht.

Was außerdem wichtig ist, steht auf dieser Banderole sogar ausdrücklich drauf: "Verarbeiten Sie immer nur Knäuel mit gleicher Farb- und Partienummer." Die Farb- und die Partienummer sind auf jeder Garnbanderole angegeben. Die Farbnummer ist schlicht der Farbcode der Wolle, die Partienummer bezeichnet das jeweilige Farbbad, in dem das Garn gefärbt wurde. Bei Naturmaterialien kann es immer sein, dass sie unterschiedlich auf Farbbehandlungen reagieren. Wenn ihr darauf achtet für ein Projekt nur Wolle zu kaufen, die auch im gleichen Farbbad gefärbt wurde, habt ihr schlicht die Sicherheit, dass die Farbe nicht abweicht. Grundsätzlich gilt aber hier: je hochwertiger die Wolle, desto weniger oft kommt es zu Farbabweichungen zwischen den Partien. Mir ist es bisher auch nur ein einziges Mal passiert, dass ich merkliche Farbabweichungen hatte, als ich Wolle aus einer anderen Partie nachkaufen musste und nachkaufen muss ich oft, weil ich tendenziell weniger als mehr Wolle kaufe.

Soviel erstmal zu den Strickgarnen. Im nächsten Teil gibt es nochmal Materialkunde,dann zu den Stricknadeln.

Montag, 13. April 2015

Günter Grass - Ein Nachruf

Günter Grass
Quelle: Gorup de Besanez
Wieder hat ein Mensch, der mich mit seinem künstlerischen Schaffen sehr beeindruckt und geprägt hat, die Bühne dieser Welt verlassen. Heute verstarb der Literaturnobelpreisträger Günter Grass.

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren und wuchs - wie alle Kinder dieser Zeit - unter der Geisel der Indoktrination des nationalsozialistischen Gewaltregimes auf. Bereits mit 15 Jahren trat er in die Wehrmacht ein, zwei JAhre später wurde er in die Waffen-SS einberufen. Grass geriet am Tag des Kriegsendes, am 8. Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Gegensatz zu vielen anderen machte er bei der Gefangennahme aus seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS kein Geheimnis.

Nach seiner Freilassung studierte er Grafik und Bildhauerei zunächst an der Kunstakademie in Düsseldorf, danach an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Mitte der 50er Jahre - er war bereits erfolgreich als Künstler - begann Günter Grass nun auch sich literarisch zu betätigen. Direkt sein Erstlingswerk, der Roman "Die Blechtrommel" sollte zum Meilenstein der neueren Literaturgeschichte werden. Mit den beiden Folgewerken "Katz und Maus" und "Hundjahre" sollte so die berühmte Danziger Trilogie entstehen, die mit Sicherheit zum modernen deutschen Literaturkanon zu zählen sind. Es würde hier auf jeden Fall zu weit gehen, das gesamte literarische Schaffen eines Günter Grass aufzuzählen und zu kommentieren, man sollte ihn aber gelesen haben, auf jeden Fall "Die Blechtrommel" und sehr gerne noch alles andere, wobei cih zugeben muss, dass mich vor allem sein episches Werk beeindruckt, mit der Lyrik kann ich weniger was anfangen, aber das geht mir bei Lyrik im Allgemeinen so.

In Summe war Grass mit seinem schriftstellerischen Werk der Autor wider das Vergessen; er thematisiert den Nationalsozialismus auf eine besondere Art und Weise und hält damit Geschichte und Geschichtsbewusstsein in einem ganz besonderen Maße lebendig und zugänglich. Auch die Begründungsschrift des Komitees zum Nobelpreis für sein Lebenswerk spricht davon dass er "in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat".

In eine eher leidige Kritikerdiskussion geriet Grass im Zusammenhang mit einem Interview kurz vor der Veröffentlichung des autobiographischen Werks "Beim Häuten der Zwiebel", wo Grass seine Waffen-SS-Vergangenheit erwähnt und dafür arg in die öffentliche Kritik geriet. Für mich war damals schon die Diskussion ziemlich, nun ja, schräg, schließlich hat er nie ein Geheimnis draus gemacht, ist aber auch nicht dauernd damit hausieren gerannt. All das Bohei von PR-Maßnahme (Charlotte Knobloch), bis hin zu Behauptungen von "tiefen Verstrickungen" und damit unterstellter Heuchelei zu seinem literarischen Werk fand ich ziemlich daneben. Günter Grass ist unbestritten der deutsche Nachkriegsautor wider das Vergessen, der sich bereits sehr früh einer Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus gewidmet hat und er stammt nun mal aus einer Generation, die kaum eine Chance hatte, sich dem Nationalsozialismus in seiner Totalität zu entziehen. Das soll keine Entschuldigung für das Mitmachen sein, vielmehr eine Erklärung, ja auch Günter Grass hat mitgemacht, wie viele andere auch, er hat sich aber auch damit auseinander gesetzt und ist sein restliches Leben gegen eben diese Verbrechen aufgestanden und hat dagegen gekämpft, während viele andere darum bemüht waren, möglichst viel unter den Teppich zu kehren. Gerade das war sein Verdienst und sein Beitrag.

Günter Grass, einer der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit, starb heute in Lübeck.

Sonntag, 12. April 2015

Die Frühjahrsputzaktion zu Ende

So meine Lieben, ich habe umsortiert und gelöscht, umgeschrieben und verschoben. Es ist zwar noch viel Kleinkram nachzuarbeiten, in seiner Struktur steht mein Blog aber mittlerweile. Ab sofort gibt es also wieder regelmäßig was zu lesen. (^.^) Nicht mehr täglich, aber mindestens jeden zweiten Tag, um genauer zu sein: jeden ungeraden Tag, sowie jeden Freitag, wegen der Freitagsserie, die ich beibehalten werde. Ich freue mich auf die weitere Zeit mit euch. (^.^)

Donnerstag, 9. April 2015

Omas rotbraune Schultertasche in neuem Kleid

Die Schultertasche
- vorher -
Nun habe ich mich an das Aufarbeiten der rotbraunen Schultertasche gemacht, über die ich bereits berichtet hatte und habe zunächst - ganz so wie sich das gehört, wenn man mit Ledermalfarben arbeiten will, mit denen ich ja die kleineren Abnutzungen bearbeiten wollte - zunächst zum Lederreiniger gegriffen. Auf solchen Mittelchen steht ja immer drauf, dass man sie an einer unauffälligen Stelle testen soll. Nun, ich gebe zu: das mache ich nie und bisher - toitoitoi - habe ich es auch nie bereut.

Nun setze ich also mit dem Lederreiniger an und... die Farbe löst sich! Ok, daran hätte ich denken können, früher wurden Leder oft auch mit Fettfarben nur oberflächlich eingefärbt, aber was kommt denn da zum Vorschein?! Wunderschönes cognacfarbenes Leder! Also gab es kurzerhand eine Planänderung: ich habe mit Lederreiniger die komplette Oberflächenfarbe abgenommen. Die Abnutzungen sind damit weg - in Wahrheit waren das nämlich keine richtigen Abnutzungen des Leders, sondern einfach nur Farbabrieb und ich habe jetzt eine wunderschöne cognacfarbene Tasche, deren Vintagelook sich sogar noch verfärbt hat, da sich die dunklere Farbe in Lederfalten und an Nähten festgesetzt hat, so dass meine eigentlich 70er Jahre Schultertasche nach dem Farbabrieb deutlich älter aber auch schöner aussieht, als zuvor. (^.^) Trotz dieser glücklichen Umstände schreibe ich es mir aber hinter die Löffel, in Zukunft den Test an der unauffälligen Stelle zu machen. Ok, vielleicht nicht immer, aber zumindest bei Dingen, wo ich echt was kaputt machen kann, vielleicht... (^.^)

Um die Tasche nach dem Farbabtrag zu pflegen und zu schützen habe ich sie mit Lederintensivpflege eingerieben und mit einer weichen Bürste aufpoliert. Und fertig ist mein wunderschönes neues altes Täschchen. (^.^) Man glaubt es kaum, aber ja, das ist wirklich die gleiche Tasche (^.^)

Dienstag, 7. April 2015

Omas rotbraune Schultertasche


Die rotbraune Schultertasche ist das modernste Exemplar in Omas Handtaschensammlung und stammt vermutlich aus den 70ern. Nachdem diese Art Taschen in den 70ern allerdings nicht zu den modernen Taschen gehörten, lässt sich daraus mit Sicherheit noch was für mich passendes machen. (^.^)

Schultertaschen kamen in den 30ern auf, waren aber insbesondere ab Mitte der 40er Jahren sehr modern, insbesondere, weil sie den Vorteil hatten, dass die Trägerin beide Hände frei hatte. Die hochwertigeren Schultertaschen waren aus Leder, aufgrund der Kriegsknappheit aber oft auch einfach nur aus Stoff oder Garn und nicht selten selbst genäht, gehäkelt oder gestrickt. Die Schultertaschen als vorrangig praktische Taschen hielten sich bis in die frühen 50er, also bis zum beginnenden Wirtschaftswunder:
Schultertaschen aus Leder in den 40ern (die Tasche rechts kommt meiner noch am ehesten nahe)
Schultertaschenmodelle aus dem Jahr 1944
Schultertaschenmodelle aus dem Jahr 1947
Schultertaschen 1949
Schultertasche 1951
 Nachdem Omas Schultertasche aus Leder ist, bleibt sie - passend zu den 40er Jahre Modellen - in klassischer Lederfarbe (wer sich Leder leisten konnte, hat das gezeigt!), dennoch ist sie bereits etwas abgenutzt und stellenweise abgerubbelt:
Die Abnutzungen halten sich aber glücklicherweise in Grenzen, so dass ich vor habe, nicht die ganze Tasche neu einzufärben, sondern versuchen werde, den Farbton so gut als möglich zu treffen, so dass ich nur dort malen muss, wo sich die Abnutzungen befinden, nämlich rund um den Verschluss und an den Seiten der Klappe. Die Klappe selbst ist durch eine Naht abgesetzt, so dass kleinere Nuanceabweichungen nicht weiter auffallen dürften. Die kleineren Kratzer müssten sich durch die Lederreinigung und anschließende Versiegelung kaschieren lassen. (^.^) Ich werde euch selbstverständlich berichten. (^.^)

Donnerstag, 2. April 2015

Bayrische Kuchl - Suppn: Münchner Gründonnerstagssuppe

Ein wahrer Klassiker der Münchner Küche ist eine grüne Suppe, die Münchner Gründonnerstagssuppe (wobei das "Grün" in Gründonnerstag nichts mit der Farbe grün zu tun hat, das aber nur am Rande); klar, dass sich das Rezept dazu auch in der Rezeptsammlung der Erna Horn findet. (^.^) Wir machen unsere Gründonnerstagssuppe etwas anders, nicht mit heller Schwitze und mit Wasser aufgegossen, sondern mit Brühe, schmeckt nämlich besser; ihr bekommt daher unser Familienrezept.



Man nehme:
200 g gemischte Kräuter (je nach dem was Garten oder Gemüsehändler hergeben, bzw. was schmeckt)
500 ml Gemüsebrühe

Die Brühe aufkochen, die Kräuter waschen und hacken. Die Kräuter in die kochende Brühe geben, kurz durchpürieren, mit Salz und Pfeffer würzen und sofort servieren. Traditionell gibt es dazu Brot und Wein, ganz so wie beim letzten Abendmahl.

Mittwoch, 1. April 2015

Abgegriffene Handtaschenhenkel erneuern

Kennt ihr das? Eigentlich ist die Handtasche richtig schön, wären da nur diese abgegriffenen, abgenutzten Henkel nicht... Handtaschenhenkel sind bei mir ja die neuralgischen Punkte - vermutlich weil ich meine Taschen grundsätzlich zu voll und zu schwer packe. Mit der Zeit sehen sie einfach nicht mehr vorzeigbar aus, mit dem Effekt, dass ich die gesamte Tasche nicht mehr vorzeige, obwohl sie, abgesehen von diesem kleinen Makel, eigentlich richtig schön ist.

Um euch mal genau zu zeigen, was ich meine: erinnert ihr euch diese wunderschöne cremeweiße Ledertasche mit Lasercuts, die ich mir letztes Jahr im Frühling gekauft habe? Diese hier:

Nun nach einem Jahr (eigentlich nur einen Sommer) in Gebrauch sehen die Taschenhenkel so aus:

Für mich definitiv nicht mehr vorzeigbar - also was tun? Wegwerfen? Aber die Tasche ist soooooo schön!!! Daher: die Henkel auswechseln. Ja das geht und nein, das ist weder schwer noch teuer. Ihr braucht dazu nur
...passende Handtaschenhenkel (meine sind von Buttinette),
...farblich passende Wolle,
...eine Stopfnadel und
...eine Schere.
Mehr nicht.

Fertige Taschengriffe sind üblicherweise schon vorgestanzt, ihr müsst die Griffe also lediglich mit einigen wenigen Schlingstichen festnähen, nachdem ihr die alten Griffe entfernt habt. Zum Festnähen verwende ich gerne Wolle, weil Wolle deutlich reißfester ist als normaler Nähfaden. Die Fadenenden auf der Rückseite halbwegs verdeckt verknoten und dran sind die neuen Taschengriffe. (^.^)

Nachdem ich noch einen Rest heller Wolle hatte, die aber nicht so hundertprozentig farblich zu meiner Tasche passt, habe ich zusätzlich noch schnell ein kleines Häkeldetail, dass das Lasercutmuster aufnimmt, an meine Tasche gezaubert, so dass sie wieder wie aus einem Guss aussieht. Hier ist das fertige Stück:

Hier nochmal die Naht am Griff, sowie das Häkeldetail in groß. Die Schülerinnen meines Häkelkurses düfen sich übrigens freuen: das Häkeldetail ist etwas, das ihr mit euren bisherigen Häkelkenntnissen nachhäkeln könnt und selbstverständlich wird das noch eines unserer nächsten Projekte werden: