Samstag, 29. April 2017

Nähen für Fortgeschrittene - Vichy-Bluse: Hals und Armausschnitte mit Schrägstreifen verstürzen

So, ich habe nun unter reichlich Gefluche und Verschnitt die Schnittteile meiner künftigen Vichy-Bluse zugeschnitten. Nachdem meine Bluse kragen- und ärmellos im 50er-Jahre-Freizeitlook werden soll, werde ich sowohl Hals- als auch Ärmelausschnitte mit Schrägstreifen verstürzen. In den meisten Nähanleitungen - egal um Vintage oder aktuell - steht gerne als einzige Arbeitsanweisung "Ausschnitte mit Schrägstreifen verstürzen" fertig. Hinter dieser simplen Floskel verbergen sich aber einige kompliziertere Arbeitsschritte, die ich euch im folgenden zeigen möchte:

Zunächst wird auf die Ausschnittkanten Vlieseline Formband gebögelt, damit sich die Kanten nicht verziehen. Das Formband wird dabei so aufgebügelt, dass der Kettstich auf dem Formband exakt auf die Nahtlinie (mit dem Kopierrädchen vom Schnitt kopieren) trifft.
Erst jetzt werden die Schulternähte geschlossen (bei einer Bluse o.ä. beide, bei geschlossenen Oberteilen wird nur eine Schulternaht geschlossen). Zum Verstürzen kann man nun zu fertigem Schrägband greifen oder aber - sieht auch schöner aus und funktioniert zumindest bei Baumwollstoffen - einen 4 cm breiten Schrägstreifen zuschneiden. Schrägstreifen nennt sich das Ding deshalb, weil er diagonal zum Fadenlauf zugeschnitten wird und damit elastisch ist. Bei meinem Vichystoff sieht man das auch schön: während die Karos für den Normalen Zuschnitt gerade sind, verlaufen die Karos auf dem Schrägstreifen wie Rauten. Egal ob ihr nun zum Schrägstreifen oder Schrägband greift, die weitere Verarbeitung ist wieder gleich: der Schrägstreifen wird nun der Länge nach mittig gefaltet, und die Kante glatt gebügelt und anschließend in die Form des Kragen- bzw. Armausschnittes gebracht, indem man an der Bruchkante zieht und so heiß als möglich bügelt, während man die offene Seite einhält, also nicht dehnt. Der Schrägstreifen wird so immer runder, bis er schließlich in Kragen bzw. Ärmelausschnittform ist.
Nun den Schrägstreifen rechts auf rechts auf die Ausschnittkante heften und zwar so, dass die Bruchkante etwa 1,5 cm Abstand zur eigentlichen Kragennahtlinie hat. Nun genau entlang der markierten Nahtlinie steppen, die Nahtzugaben zurückschneiden und den Stoff an den Rundungen gleichmäßig mit Dreiecken einschneiden, so dass der Ausschnitt schön glatt liegt.
Der Schrägstreifen wird jetzt exakt an der Nahtlinie nach innen gebügelt. Eventueller Überstand wird auf Schnittmaß zurückgeschnitten. Bei geschlossenen Oberteilen wird nun die zweite Schulternaht geschlossen. Eigentlich ist damit der Ausschnitt schon fertig, wer möchte kann den Schrägstreifen aber nochmals feststeppen. Und fertig ist das Verstürzen mit Schrägstreifen. (^.^)

Freitag, 28. April 2017

Bayrische Kuchl - Süße Beilagen zum Fleisch: Preiselbeerkren

Es klingt zugegebenermaßen seltsam, es sieht auch eher seltsam aus - es schmeckt aber erstaunlich gut: Preiselbeerkren. Zunächst wieder etwas bairisch für Anfänger: Kren ist Meerrettich und spätestens jetzt klingt es auch für meine Leser jenseits des Weißwurschtäquators seltsam. Aber ehrlich es schmeckt richtig gut! Ich kannte Preiselbeerkren bis dato auch nicht, aber ich bin mir ja für nichts zu schade. Das erfreuliche daran, es geht herrlich schnell zuzubereiten:
5 EL Preiselbeeren und 1 EL groben Meerrettich miteinander verrühren und schmecken lassen, am besten übrigens zu Wild und Braten, aber auch sehr lecker zu kaltem Fleisch zum Reste essen. (^.^)

Donnerstag, 27. April 2017

Der Vintage Flaneur - Ausgabe XXII



Ab heute ist die 22. Ausgabe des Vintage Flaneur erhältlich und dieses Mal geht es nach Paris und zwar mit wunderschöner Mode, dem französischen Stil und dem Mythos Bohème. Außerdem wird wieder geheiratet und das selbstverständlich im Vintage-Stil. Der Vintage Flaneur wartet zudem mit gleich zwei Interviews mit Szenegrößen auf: Alice Francis und Evi & das Tier stehen uns Rede und Antwort.

Also nichts wie hin zu den Flughafen- und Bahnhofsbuchhandlungen oder auf die Bestellseite des Vintage Flaneur geklickt. (^.^)

Die kleine Warenkunde zum Kochen und Backen - Pilze

Pilze sind sehr gesund und erfreulich kalorienarm, allerdings sind sie auch schwer verdaulich und nicht jeder verträgt Pilze gleichermaßen gut. Ich beispielsweise vertrage Pilze eher schlecht, dennoch gibt es einige Pilze und Zubereitungsarten, die es mir möglich machen Pilze zu essen und sie trotzdem gut zu vertragen. Mangels tieferer Erfahrungen beschränke ich mich auch auf die sehr gut verträglichen Pilzsorten. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Sorten Pilze, sog. Kuluturspeisepilze wie Champignons und sog. Wildpilze wie etwa Pfifferlinge. Selbst die Wildpilze kaufe ich, anstatt sie zu sammeln (wegen laaaangweilig), daher beschränke ich mich außerdem auf den Kauf und die Zubereitung von Pilzen. (^.^)

Qualitativ hochwertige Pilze erkennt man an ihrem Hut, dieser sollte geschlossen, also ohne Ausbrüche und ggf. Fraß sein. Die Haut des Hutes sollte außerdem schön straff und faltenfrei sein. Wildpilze sind darüber hinaus sauber und geputzt, die Stielenden dürfen nicht trocken sein (sind sie das, deutet das auf eine längere Lagerung hin).
Pilze sind grundsätzlich nicht lange lagerbar, daher werden sie am besten direkt frisch verarbeitet. Pilze werden zudem trocken mit einem Pilzpinsel geputzt. Damit Pilze bei der Zubereitung möglichst wenig Wasser verlieren - dann werden sie nämlich zäh - scharf anbraten. Auch die Mähr', dass man Pilzgerichte nicht nochmal aufwärmen darf, kann ma getrost vergessen, sofern man das jeweilige Gericht schnell abkühlt, im Kühlschrank aufbewahrt und dann auf mindestens 70° C wieder erhitzt, dann haben Bakterien keine Chance. (^.^)

Dienstag, 25. April 2017

Häkelmuster - Fischgrätmuster aus Stäbchen

Ein etwas kompakteres Gittermuster möchte ich euch heute zeigen. Hierfür wird in jede zweite Masche über zwei Reihen ein einfaches Stäbchen im Wechsel mit einer Luftmasche gehäkelt, darauf folgen zwei Reihen feste Maschen, wobei in der ersten Reihe feste Maschen in die Luftmaschenbögen nicht eingestochen, sondern in die Lücke in der unteren Reihe zwischengestochen wird. Das Ergebnis ist ein wunderschönes Fischgrätmuster:

Sonntag, 23. April 2017

La Choucroute - Haare wie Sauerkraut als 60er Jahre Key-Look (^.^)

Ja meine Lieben, ihr lest richtig, in den 60ern gab es eine Frisur, die "La Choucroute", also "das Sauerkraut" genannt wurde und die zu einer "der" 60er Jahre Frisuren werden sollte. "La Choucoute" war zunächst natürlich gehässig gemeint. Bezeichnet wurde damit die Frisur, die Brigitte Bardot auf ihrem Kopf trug, also alles so ein bisschen strähnig-zottelig und mit ihrem (gefärbten) blonden Haar lag die Assoziation zum Sauerkraut natürlich nahe. Trotzdem war ihre Frisur zu Beginn der 60er Jahre richtungsweisend, man - oder besser frau - löste sich auch mit der Frisur aus dem starren Korsett der Konventionen, auch die Haare durften schwingen. Und sind wir mal ehrlich, so ein bisschen zerzaust, "Out of Bed" wie man heute sagt, wirkt auch etwas verrucht, oder?
Nachdem die Bardot eine bekennende Rassistin ist, werde ich den Teufel tun und sie auch noch per Bild in meinem Blog abbilden. Dafür gibts aber gleich drei Bilder von mir einschließlich einer Erklärung, wie ihr euer Haar ebenfalls in Sauerkraut verwandelt. (^.^)
La Choucroute eignet sich super, wenn eure Haare schon etwas ausgehangen sind, oder aber, wenn ihr keine Zeit oder Lust habt eure Haare feucht einzulegen, sondern "was schnelles" braucht. La Choucroute ist eines der wenigen Hitze-Styles das ich euch wahrscheinlich zeigen werde; diese Frisur mache ich mir nämlich mit Heizwicklern (Lockenstab geht natürlich genauso). Legt eure Haare nach dem folgenden Legemuster auf Heizwickler mit einem Durchmesser von 4-5 cm (Hitzeschutz nicht vergessen):

Lasst eure Haare gut auskühlen, löst die Lockenwickler und kämmt dann gründlich durch euer Haar, Ziel ist es schließlich nicht, Locken oder Wellen zu haben, sondern nur noch den Rest davon. Toupiert nun eure Haare am Oberkopf, nehmt die Oberkopfpartie locker zurück und fixiert sie mit einer Haarklammer. Lasst dabei, solltet ihr keinen Pony haben, die Stirnsträhnen locker ins Gesicht hängen. Wuschelt nochmal alles durch (Ziel ist strähnig-zottelig), und gebt dann zum fixieren noch etwas Haarspray drüber. Fertig ist "La Choucroute", eine Frisur, über die man sich selbst am stürmischsten Tag keine weiteren Gedanken mehr machen muss; sitzt einfach (^.^).

Freitag, 21. April 2017

Bayrische Kuchl - G'müas: grüner Pfannkuchen von Kräuterwerk

Der grüne Pfannkuchen ist erlicherweise nicht ganz so grün und er ist interessanterweise unter Gemüse einsortiert, obwohl es sehr viel eher ein Omelette ist. Dennoch ist das Rezept historisch durchaus wertvoll immerhin handelt es sich um eines der wenigen Originalrezepte - also Rezepte die im Originalwortlaut in Erna Horns Werk zitiert werden. Auch ich möchte euch das Rezept in seinem Originalton nicht vorenthalten, daher zitiere ich ebenfalls und zwar aus "Altadeliges Bayer'sches Koch- und Konfektbuch für alle Stände" von Magdalene Gräfin zu Portia aus dem Jahr 1837:
Nimm Petersilie, Kernl- und Peterskraut, junge Zwiebel, etliche Spinatblätter, 1 oder 2 Salbeiblätter, je nach dem man es groß haben will, viel oder wenig; hacke alles klein untereinander, röste alles in Butter, und röste 1 oder 2 Löffelvoll Semmelbrösel, hernach gieße man 1 oder 2 Löffelvoll sößen Milchrahm daran, und zwei ganze Einer; dann muss man's salzen, nimm auch Butter, gieß sie in ein Pfändl oder in einen kupfernen Tortenmodel, und back's hernach in einer Tortenpfanne, oder auf einer kleinen Glut.

Übersetzt heißt das: Gemischte Kräuter (Petersilie, Kerbel, Peterskraut, Lauchzwiebel, Spinat, Salbei) hacken und in etwas Butterschmalz anrösten, 2 EL Semmelbrösel zugeben und ebenfalls kurz anrösten. " Eier mit 2 EL Sahne verschlagen, in die Pfanne gießen, das Omelette stocken lassen, wenden und schmecken lassen, es ist nämlich wirklich und aufrichtig lecker.

Freitag, 14. April 2017

Bayrische Kuchl - Fisch: Oberammergauer Forellenauflauf

Mit dem Oberammergauer Forellenauflauf habe ich etwas neues und richtig leckeres entdeckt, das ich euch nicht vorenthalten will. (^.^) So gehts:


500 g Forellenfiltes
30 g Butterschmalz
Salz
Pfeffer
200 g Sauerrahm
3 Eier
1 EL Zitronensaft
Petersilie
Muskat

Den Backofen auf 180° C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Forellenfilets salzen, pfeffern und von beiden Seiten im Butterschmalz anbraten. Während der Fisch brät, die Eier trennen, das Eiweiß steif schlagen und Eigelbe mit dem Sauerrahm und dem Zitronensaft verrühren. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und Petersilie abschmecken. Zuletzt den Eischnee unterheben.

Die Forellenfiltes in eine Auflaufform schichten und mit der Eiermasse bestreichen. Im Backofen bei 180° C Ober-/Unterhitze in ca. 25 Minunten goldbraun backen und schmecken lassen. (^.^)

Freitag, 7. April 2017

Bayrische Kuchl - Geflügel: Hendl nach Försterart

Das Hendl nach Försterart gehört einmal mehr zu den Gerichten, die ich bisher nicht kannte, aber: es entpuppt sich als wirklich leckeres Geflügelgericht, das erfreulicherweise auch noch schnell zubereitet ist. (^.^) Wie üblich bei Erna Horn musste ich die Mengenangaben aber wieder erraten...So gehts für zwei Personen:

2 Hähnchenbrustfilets
Salz
Pfeffer
Rosmarin
30 g Butterschmalz
250 ml Geflügelbrühe
100 g Pilze
200 g Sauerrahm

Die Hähnchenbrustfilets waschen, trocken tupfen mit Salz, Pfeffer und Rosmarin einreiben und scharf in Butterschmalz anbraten. Mit 250 ml Gemüsebrühe ablöschen. Die Pfifferlinge putzen, groß schneiden und zum Fleisch in die Pfanne geben. Das ganze ca. 40 Minuten gar schmoren. das Fleisch aus der Pfanne nehmen und die Pilzsauce mit dem Sauerrahm binden. Das Fleisch in der Sauce anrichten und schmecken lassen. (^.^)

Samstag, 1. April 2017

Nähen für Fortgeschrittene - Vichy-Bluse

Da ist Vichy schon die zweite Saison ganz furchtbar im Trend und ich kann nirgendwo eine schlichte, klassisch geschnittene Vichy-Bluse auftreiben. Alles was es an Blusen gibt, ist wahlweise langweilig oder zu trachtig. Ich hätte aber wirklich gerne eine Vichy-Bluse, weil Vichy insbesondere auch in den 50ern ein riesen Modethema war, so dass ich einmal mehr zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hätte. Immerhin werden die Reproshops auch immer mehr Faschingsshop denn dass sie tatsächlich gute Reproduktionen anbieten würden.

Tja... was also tun? Nun ja: selbst nähen natürlich. Erfreulicherweise ist wenigstens das Angebot an schönen Vichy-Stoffen reichlich. (^.^) Ich entscheide mich für "meine" Farbe, rot, und habe außerdem eine Bluse griffbereit, von der ich das Muster abnehmen werde. Mit dem Unterschied: meine neue Bluse wird kragen- und ärmellos um den Freizeitlook der 1950er Jahre besser aufzugreifen. (^.^) Nachdem das Abnehmen eines Blusenschnittmusters von einer vorhandenen Bluse ziemlich kompliziert ist und ich hier auch mehr nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" arbeite, zeige ich euch die Grundsätze des Schnittmusterabnehmens an einem anderen Beispiel. Ich nutze die Vichy-Bluse aber, um eich zu zeigen wie man Hals- und Armausschnitte sowie Blenden arbeitet. (^.^)