Freitag, 13. September 2013

Ein kleiner Manikürealmanach für Vintagequeens - Die 20er Jahre

Die Maniküremöglichkeiten im Jahre 1920 waren noch sehr begrenzt und sollten dies auch noch bis 1925 bleiben: Die Hände wurden in reinigende, duftende Handbäder gehalten und danach wurde die Nagelhaut mit Orangen- oder Rosenholzstäbchen zurückgeschoben. Die Nägel werden mit Hilfe von Nagelscheren gekürzt und mit Metall- oder Papierfeilen in Form gebracht. Mandelförmig war dabei die Form der Wahl: spitzzulaufend aber mit abgerundeter Spitze. Die Nägel wurden dann noch mit den unterschiedlichsten mal mehr mal weniger gut verträglichen Methoden (von der Feile bis zu chemischen Polierpulvern war so ziemlich alles dabei) poliert und so auf Hochglanz gebracht. Die Nagelspitze wurde jetzt noch mit einem Nagelweißstift aufgehellt. Manchmal wurden die Nägel noch zusätzlich mit glänzendem Öl eingerieben, welches es farblos oder aber in rot gab und fertig waren die Vorzeigenägel des Jahres 1920.
Wie der aufmerksame Leser nun vermutlich festgestellt hat: das war wahrlich keine Maniküre, die besonders lange haltbar war. Sie hielt bis zum nächsten gründlichen Händewaschen (gefärbtes Öl, Nagelweißstift) bzw. bis zum nächsten Abwasch oder dem Hausputz (Politur). Damit dürfte auch klar sein, dass überwiegend die Oberschicht manikürte Nägel hatte und so zeigte, dass sie nicht mit den Händen arbeiten brauchte. Alle anderen Frauen manikürten sich lediglich zu besonderen Anlässen die Nägel (all die Arbeit und dann hält es nicht lang...).
Obwohl es etliche der verwendeten Produkte heute nicht mehr gibt, lässt sich der Look der Zeit aber dennoch leicht imitieren, das ganze sogar in haltbarer - zumindest teilweise. (^.^)
Nicht geändert haben sich die "Pflegemaßnahmen": die Nagelhaut einweichen und zurückschieben und die Fingernägel in Form - in Mandelform um genau zu sein - feilen (nicht schneiden, dadurch wird die Nagelstruktur geschädigt und sie brechen leichter). Jetzt geht es an die "Dekormaßnahmen". (^.^)

Der naturfarbene Nagel

Klar könnte man den Nagel nun ebenfalls mit einer Polierfeile polieren, nur hält das eben nicht so lange. Ich glätte meine Nägel vor dem Lackieren ab und an mit einer Polierfeile, weil dann der Lack länger hält. Eine Politur überlebt bei mir heimwerkend-handarbeitenden Schreibtischtäter aber maximal einen Tag und dafür ist es mir zu aufwendig. Ganz davon abgesehen, dass durch das regelmäßige Polieren auch jedes Mal Nageloberfläche abgetragen wird und meine Nägel sind sowieso schon dünn... Ich greife daher zu farblosem Lack (ohne Unterlack, da diese meist etwas aufhellend sind und so den Look verfälschen würden), dafür aber immer mit Überlack für die Stabilität und den Glanz. Nach dem Trocknen des Lacks kommt noch Nagelweißstift unter die Nagelspitzen - der lässt sich leicht einpacken und ist schnell nachgemalt - und fertig ist die 2015er Maniküre im Look der ersten Hälfte der 1920er Jahre.



Der gerötete Nagel
Rot gefärbtes Öl zum Färben der Nägel gibt es heute nicht mehr, brauchen wir aber auch nicht um den originalen Look nachzuahmen. Was es heute gibt sind nämlich ab und an Klarlacke mit einer Rottönung. Zugegeben: man muss danach wirklich Ausschau halten. Meiner ist von OPI und eigentlich ein Überlack: Sheer Tints im Farbton Be Magentale with Me. Alternativ kann man sich den Lack auch aus Klarlack und einem herkömmlichen roten Lack mischen. Das Mischungsverhältnis ist dabei etwa 1 Teil roter Lack auf 4 Teile Klarlack. Tastet euch ran, das Ergebnis ist sehr vom verwendeten Farblack und dessen Deckkraft abhängig. Das Auftragen funktioniert genauso wie beim naturfarbenen Nagel: ich lasse den Unterlack weg und lackiere direkt mit dem geröteten Nagellack. Darüber kommt Überlack und nach dem Trocknen des Lacks Nagelweißstift unter die Nagelspitzen. Und fertig ist die 20er Jahre Maniküre.




Lackieren in den 20ern


Im Jahre 1925 ist es dann endlich so weit. Inspiriert von den glänzenden Autolacken entwickelt die Pariser Kosmetikerin Michelle Ménard den ersten Nagellack: er ist transparent-rosa und hält - im Gegensatz zu allem anderen bisher da gewesenem - richtigrichtig lange. Der neue Nagellack wird dabei nur auf dem Nagel aufgetragen, Nagelmond und Nagelspitze bleiben unlackiert. unter die Nagelspitze kommt wie gewohnt der gute alte Nagelweißstift. Im 20er Jahre Original hat man den Nagellack freihändig aufgetragen. Heutzutage kann man sich glücklicherweise anderweitig behelfen, sollte man nicht die entsprechende Geduld haben:
Der Nagelmond wird mit einem Lochverstärker abgeklebt, die Nagelspitze wird mit einer handelsüblichen French-Manicure-Schablone abgeklebt. Nun kommt zunächst eine Schicht Klarlack, quasi zum Abdichten, damit vom Farblack nichts unter die Schablonen läuft, auf den Nagel, die jetzt erstmal durchtrocknen muss. Darauf folgt nun unser transparent-rosa Lack, der ebenfalls vollkommen durchtrocknen muss, bevor die Schablonen wieder abgezogen werden. Darüber kommt, zum Schutz des Kunstwerks noch eine Schicht Überlack. Jetzt wird noch die Nagelspitze mit dem Nagelweißstift eingefärbt und fertig ist das Fingernagelkunstwerk anno 1925. (^.^)

Zu dem transpartent-rosa Lack gesellt sich auch bald transparent-roter Lack, deckende Nagellacke werden in den 20er Jahren aber nicht mehr erfunden werden. Für diese kurze Zeit hat sich auf dem Maniküremarkt aber ohnehin schon sehr viel getan. (^.^)

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