Dienstag, 9. April 2013

Lili isst - und zwar regional und damit auch saisonal (^.^)

Bevor ich in meinen Rubriken rund ums essen, kochen und backen so richtig loslegen kann, muss ich euch erst noch was zu meiner Ernährungsweise erzählen, damit es für euch auch nachvollziehbar ist, was ich hier eigentlich so veranstalte.

Eigentlich ist nämlich auch meine Ernährung sehr im Zeitgeist der 20er bis 60er Jahre: ich ernähre mich regional: die meisten der Nahrungsmittel die ich zu mir nehme, kommen aus meiner Region und - bei tierischen Produkten - wurden selbst auch aus der Region ernährt. Damit ernährt man sich automatisch auch saisonal. Ok, fast automatisch, denn auch in München und um München herum gibt es Treib- und Gewächshäuser. Es ist nun nicht so, dass ich so sehr in der Vergangenheit verhaftet bin, dass ich mich deshalb regional-saisonal ernähre, das ist mehr das "nette Nebenbei", nicht aber die Hauptsache. Mein Hauptbeweggrund ist in erster Linie meine Gesundheit und in zweiter Linie mein kleiner Beitrag zu Gesellschaft und Umweltschutz.
Produkte aus der Region während ihrer jeweiligen Saison sind frischer, weil es nicht tausende von Kilometern durch die Gegend gekarrt werden muss. Eben weil sie frischer sind, enthalten sie auch mehr Vitamine und Nährstoffe, sind damit also gesünder. Hinzu kommt, dass weniger Schmutz produziert wird, weil die Produkte eben nicht ewig weit durch die Gegend gekarrt werden. Nachdem Transport und Lager Geld kostet, sind regionale Güter auch günstiger als qualitativ gleichwertige Produkte, die weitere Strecken hinter sich haben. Ganz davon abgesehen leistet man noch einen durchaus bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag: man unterstützt die heimische Landwirtschaft und erhält damit auch in seiner Heimat Arbeitsplätze.

Selbst wenn die Oktobererdbeeren aus der unmittelbaren Umgebung kommen, sie also potentiell frisch sind, haben diese, unter Folie gezüchteten Erbeeren weniger Vitamine und Mineralstoffe als die Juni-Erdbeeren, die auf dem Feld wachsen. Und: die Treibhaus- und Folienzucht setzt 30mal (Dreißig!!!) mehr Treibhausgase pro Kilo Obst/Gemüse frei als die Freilandvariante! (Jungbluth: "Umweltfolgen des Nahrungsmittelkonsums"; Disseration) Ganz davon abgesehen, frisch und v.a. reif geerntetes Obst und Gemüse schmeckt tausendmal besser, eben weil es reif geerntet wurde und nicht nur so aussieht. Auch exotisches Obst und Gemüse hat eine Hauptsaison, zu der es einfach besser schmeckt, als im Rest des Jahres - selbst wenn das Angebot im Supermarkt mittlerweile einen anderen Eindruck vermittelt.

Zieht alles nicht bei euch als Argument? Dann vielleicht das: saisonale Produkte sind billiger, eben weil sie nicht teuer gezüchtet oder ewig weit durch die Gegend gefahren werden müssen. Sich saisonal zu ernähren heißt auch nicht automatisch, dass man verzichten muss, man kann vieles selbst haltbar und damit ganzjährig verfügbar machen und das auch noch in bester Qualität. Oder dachtet ihr etwa, dass die schönsten und besten Erdbeeren in die Konfitüre zum Kaufen wandern? Nichts desto trotz ernährt man sich, wenn man saisonal isst, automatisch abwechslungsreicher und damit ausgewogener. Und nicht zuletzt: wisst ihr noch, wie man sich als Kind auf die Erdbeerzeit gefreut hat? Auch dieses Gefühl bekommt man mit saisonaler Ernährung wieder. (^.^)

Nachdem ich mich eben saisonal ernähre, sind meine Rezepte, insbesondere die zum Konservieren von Lebensmitteln an den Saisonkalender angepasst. Ich habe mir außerdem überlegt, das nächste Jahr über für jeden Monat die Saisonprodukte einzustellen, damit ihr einen besseren Überblick habt, welches Obst/Gemüse aktuell Saison hat.

Regionales Einkaufen bezieht sich bei mir nicht nur auf Obst und Gemüse sondern v.a. auch auf Milchprodukte und Fleischerzeugnisse. Mein Metzger ums Eck weiß sogar noch wie der Stier hieß, der bei mir zu Rinderbraten wird. Regionale Produkte bieten die höchstmögliche Transparenz was Hersteller und Lieferanten betrifft. In Zeiten in denen sich Lebensmittelskandal an Lebensmittelskandal reiht, ist eigentlich alleine das schon Gold wert. Und jetzt mal Tacheles: wer abgepacktes Zeug im Discounter für billig Geld kauft, braucht meines Erachtens nach nicht rumnörgeln, wenn sich rausstellt, dass nur Müll drin ist. In Anbetracht des Preises müsste es eigentlich schon dem größten Trottel von vorneherein klar sein, dass es für ein paar Cent nur Mist geben kann. Ich bin ja grundsätzlich von der sparsamen Sorte, aber an einem werde ich niemals im Leben sparen und das ist meine Gesundheit und mein Wohlbefinden. Auf deutsch: ich spare nicht beim Essen. Lieber esse ich weniger Fleisch, als mir irgendwelchen abgepackten Billigdreck aus dem Discounter reinzupfeifen. (Und ja, man schmeckt den Unterschied zwischen Discounterdreck und gutem,  regionalem Produkt.)

Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt: regionale Produkte bekommt man oft nicht im Supermarkt oder gar im Discounter, sondern man muss zum Metzger, zum Bäcker, in die Käsehandlung/den Milchladen, dem Fischhändler und zum Obst- und Gemüsehändler. Genau das erhält aber auch all diese netten kleinen Läden in der Nachbarschaft, die die Wohnqualität in eurem Stadtviertel ausmachen, genauso wie all die Arbeitsplätze die dran hängen. Ihr meint das ist teuer? Nein, ist es nicht. Mein Obst- und Gemüsehändler zum Beispiel ist bei den saisonalen Obst- und Gemüsesorten sogar billiger als der Discounter gegenüber, rundet grundsätzlich nochmal ab, schenkt hin und wieder noch was dazu und hat insbesondere Richtung Feierabend unschlagbar günstige Angebote bei leicht verderblichen Produkten wie Beeren oder Kräutern. Zudem wichtig für all jene die (noch) keine Großfamilie haben: die Packungsgrößen in den gängigen Supermärkten und Discountern sind viiiiieeeeeel zu groß, ein normaler Single- oder Pärchenhaushalt isst das nie auf, bevor es schlecht ist. Bei den kleinen Händlern könnt ihr in jeder noch so kleinen Größe einkaufen. Ihr braucht nur eine Kartoffel oder eine Zwiebel, nur ein Ei, oder nur 125 g Schnitzel? Gar kein Problem... Ihr spart also doch noch Geld, weil ihr weniger wegwerfen müsst. (^.^)

Und falls hier jetzt der Eindruck entstanden sein sollte: nein, ich bin keine Heilige, auch nicht in Sachen Enährung, meine Lieblingsschokolade kommt halt nun mal aus der Schweiz und mein Lieblingskaffee aus Kolumbien. Das ist aber auch ok und trotzdem noch kein Grund, warum ich mir Tomaten aus Spanien einfliegen lassen sollte. (^.^) Einfach alles mit Maß und Ziel und nicht übertreiben - so lässt sich meine regional-saisonale Ernährungsweise wohl am prägnantesten zusammenfassen. (^.^)

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